»Man flirtet und chattet statt zu arbeiten«
(ein entrüsteter Professor über Stud.IP)
Stud.IP (Witze über den Namen sind willkommen, aber: Wir kennen sie alle schon!) ist vor fast 8 Jahren als Open-Source-Projekt mit subversivem Enthusiasmus gestartet: Ein paar Gedanken, die man heute als »2.0« bezeichnen würde, sollten systematisch in den Uni-Alltag geschmuggelt werden.
Entstanden ist eine »Lern- und Kommunikationsplattform«, die sich deutlich von kommerziellen Konkurrenzplattformen abheben will. Bei denen wird Studium und Bildung nämlich gerne mit Begriffen wie »Instruktion«, »Lernfortschrittskontrolle« und »Training« in Verbindung gebracht. Im Gegensatz dazu und zu zentralen, reinen Studi-Netzwerken wie z.B. StudiVZ war und ist der Stud.IP-Ansatz: Je eine Installation vor Ort, vorhandene Strukturen aufgreifen, Lehrende einbeziehen, gleichberechtigte Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden.
Inzwischen ist das Projekt sehr »erfolgreich«. Mehr als ein dutzend Hochschulen setzen voll auf Stud.IP, finanzieren die Entwicklung mit oder stellen Mitarbeiter für die Entwicklung ab. Um das Projekt herum sind Verdienstmöglichkeiten für Support und Entwicklungsdienstleitungen entstanden.
Neben einer Vorstellung der Grundgedanken, einigen ganz kurzen Einblicken in das »Leben« in der Plattform und ein paar Bemerkungen zur Organisationsform als Open-Source-Projekt möchten wir vor allem den Fragen nachgehen: Was ist aus dem Enthusiasmus geworden? Ist das Projekt auf die schiefe Bahn der Institutionalisierung geraten? Wie ist das Verhältnis zwischen »freien Ideen« und bezahlten Entwicklungen? Wie kann es gelingen, dass so etwas wie Stud.IP sexy bleibt? Fertige Patentlösungen für die Fragen haben wir nicht und so würden wir uns auf spannende Diskussionen freuen.
»Würden« und »möchten« heißt: Wenn's reinpasst und Interesse besteht. Das kundzutun ist hier Gelegenheit.